Lassen wir Worte und Bilder sprechen -  Impressionen zur Lesung vom 2.6.2019 im Besucherbergwerk Zinnkammern Pöhla. Für die musikalische Umrahmung sorgte das Erzgebirgsensemble Aue.

nach der Lesung:

 

Ein Sternentag in meinem Leben...

Heimkehr nach vielen Jahren in die Heimat bedeutete Ernte zu halten in der Gesamtschau meines Lebens, und es kommt mir vor, als hätte ich aus dem Keller meiner Erschöpfung die Seele hervorgeholt, die schon zu verkümmern drohte. Berge und grüne Wälder gleiten an mir vorbei, ehe ich mein Ziel erreiche. Im Blut spüre ich so eine Art von Unruhe in mir, den lichten Tag nicht voll ausschöpfen zu können.

Nach drei Stunden Fahrt ist das Ziel erreicht und vor mir liegt hinter einer wundervollen Naturwiese die Grube Pöhla mit ihren weltberühmten Zinnkammern, wo ich heute meines Buch „So oft ihr in die Tiefe steigt...“ einem Publikum vorstellen möchte.

In Schmerzen geboren haben sich meine Gedanken ein Jahr lang tief in die Seele gebrannt, bis sie auf weisses Papier flossen und nun ihre Bewährungsprobe bestehen müssen.

„Werde ich es gesundheitlich durchhalten, mir diesen Traum zu erfüllen und wie werden mich die Menschen meiner Heimat empfangen?

Unweit vor mir stehen Musiker des Erzgebirgsensembles Aue, bereits in Bergmannstracht, und einige Kumpels dieser Grube, deren Augen sich auf mich richten.

Glückauf! So sagen Sie, mich erwartungsvoll anlächelnd. Ich erwidere diesen Gruß und dann geschah das, was man kaum beschreiben kann. In wenigen Sekunden waren wir so vertraut miteinander, als hätten wir uns gestern erst gesehen.

Nach einer denkwürdigen Fahrt mit der Grubenbahn ins Innere des Felsgesteins betrete ich wenig später einen liebevoll geschmückten und vorbereiten Raum in den Zinnkammern mit einer in den Fels gehauenen Bühne.

Mein Herz schlägt bis zum Halse als ich sehe, wie sich die Zuschauerplätze füllen und die Musiker die Bühne betreten.

Eine alte bergmännische Weise erklingt und dann beginne ich zu lesen, spüre, wie die Gedanken des Buches den Raum zu füllen beginnen.

Als am Ende der Veranstaltung die Bergleute der Grube vor der Bühne Aufstellung nehmen, sich die Gäste von den Plätzen erheben und alle gemeinsam zu den Klängen des Erzgebirgsensembles das Steigerlied intonieren, herrscht eine Feierlichkeit im Raum, wie ich sie nur selten erlebt habe.

Einen Moment lang kommt es mir so vor, dass unsere verblichenen Altvorderen, allen voran mein Großvater und der alte Schäfer Franz mit in diesen Gesang einstimmen.

Und ich höre mich leise sagen :

„Bitte nicht so schnell, einen Augenblick noch, möge es ganz langsam Ausklingen ...“

Bert Fröbe. 5. Juni 2019


Bert Fröbe liest aus seinem Buch über den Bergmann und Großvater Ernst Julius Fröbe

Für eine gelungene musikalische Umrahmung sorgte das Erzgebirgsensemble Aue  mit seinem Leiter Steffen Kindt