Wenn einen seine Mutter weckt



... das ist ein leichtes Streichen über die Stirn, hinter der noch ein Traum webt.

Dieses Wecken ist das Rufen der echten Liebe, das zarte Hinübergehen aus Traum und Schlafenswelt in die Wirklichkeit,

die in der Frühe eines Wintermorgens so besonders hart ist für die kleinen Menschen, die doch auch schon die Pflicht ruft.

 

Dieser Augenblick des Erwachens ist ja so wichtig für den ganzen Tag.

Wenn die Liebe mit leuchtendem Auge am Bett steht, so ist das doch der schönste Gruß des Lebens.

 

Es gibt Menschen, die sehr laut sind und ihre Gedankenfluten wie einen Sturzbach über einen schütten;

sie haben die beste Absicht, irgendetwas in uns zu wecken, aber wir bleiben ungerührt,

wie ein Eispanzer wächst es uns ums Herz, wir können an ihnen einschlafen, trotz ihres Lärmes.

 

Und es gibt andererseits Menschen, die brauchen gar nicht zu reden und haben dennoch eine wunderbare weckende Kraft.

Das ist das Geheimnis der Persönlichkeit, die Macht des Herzens.

 

Wer wecken will, muss in erster Linie ein Herz voller Wärme besitzen. Dann erst kommt der Geist!

Ein kühler Geist, der eisig seine Gedanken vor mir ausbreitet, kann mich nicht auf Dauer wecken,

denn wer wecken will, muss den ganzen warmherzigen Menschen einsetzen.

 

Der Weckende muss in die Tiefe gehen und das kann er nur, wenn er selbst Tiefe besitzt.

Er muss also eine „Mutterseele“ haben, eine feine, spürende, leise und andächtige Seele.

Weckt der Frühling die Keime doch auch nicht mit Posaunenstößen.

Nein, nur durch die Sonne allein, die voller Kraft ist und ganz still.

Wer wecken will, muss wissen, wenn es an der Zeit ist. Warten muss er können; Geduld muss er haben.

Er muss wissen, was er wecken will, muss sich selbst unter das Gesetz des Lebens stellen und jenes selbst erst erfüllen.

Wer wecken will, muss selbst erwacht sein.

Er darf keinen Ballast an sich dulden und noch etwas, nur die Sehnsüchtigen können wecken.

 

Wo zwei einander liebhaben, ist doch das schönste Liebeswerk, einander zu wecken zum höheren Sein.

 

 

 

Autor: Bert Fröbe

 

Herausgegeben von: wilsbergedition-berlin

veröffentlicht 2019 in: Triumphieren werden die Arme der Liebe