Verleihung des Ehrenpreises der SAXONIA-FREIBERG_STIFTUNG am 7.7.2019

 

 

 LAUDATIO. 

 

gehalten vom Vorsitzenden des historischen Freiberger Hütten- und Knappenvereines, Herrn Knut Neumann

 

Ort des Geschehens:
Schauanlage des Technischen Denkmals "Zylindergebläse" in Muldenhütten - hier eröffnete die SAXONIA-FREIBERG-Stiftung den 14. Tag der Schauanlagen. Aus diesem Anlass wurden Verdienste um das bergmännische Brauchtum im Freiberger Raum durch die SAXONIA geehrt.
Zu den Geehrten gehört Bert Fröbe, der Autor des Buches "So oft ihr in die Tiefe steigt..."

 

... aus der Laudatio zur Übergabe des Ehrenpreises der SAXONIA-Freiberg-Stiftung - gehalten vom Vorsitzenden der historischen Freiberger Berg- Hüttenknappschaft, Knut Neumann


……… Zurück zu Ernst Fröbe und seinem lebenserinnernden Buch, dass sein Enkel Bert Fröbe, den wir heute hier begrüßen können, aufgeschrieben hat.
Solche Aufzeichnungen zum Berg- und Hüttenwesen sind sehr selten anzutreffen, nur wenige überliefert. Am bekanntesten dürfte dieses vom Bergmeister Friedrich Wilhelm Trebra aus Marienberg sein….
Im vorliegenden Buch "So oft ihr in die Tiefe steigt..."… hat der Autor, der Regisseur und Filmproduzent ist, die handschriftlichen Erinnerungen seines Vorfahren, des Bergmannes EJF und die Aufzeichnungen aus der Familienchronik in eine leicht lesbare Chronologie und Familiengeschichte gebracht. Kleine Episoden von Fröbe, die in dieses Buch übernommen wurden, zeigen an vielen Stellen das einfache Leben des Sächsischen Bergmannes.
Für mich als Vorsitzenden der historischen Freiberger Berg- Hüttenknappschaft war besonders interessant, dass es in Freiberg um 1865 einen Aufzug gab, an dem Bergleute nicht teilnehmen durften.
Der Autor schreibt zum 100jährigen Jubiläum der Bergakademie:
Im Festzuge waren alle Innungen und die Bergschüler vertreten, jedoch keine Bergleute.
Es machte die Runde, der Grubenvorstand Graupe habe es nicht freigegeben. Nachmittags zwei Uhr kam ein Bote in die Grube, alle ausfahrenden Mannschaften sollen sich beim Donatstor aufstellen, dort warten drei Musikchöre. Das war Wasser auf die Mühlen der gekränkten Knappschaft.
Fast fünfhundert Mann stellten sich zum Zuge in Arbeitstracht, voll mit Bohrschlamm im Gesicht und an den Händen.
Unter den Klängen der Musikchöre marschierte man durch die festlich geschmückten Straßen, von den Fenstern regnete es Fähnchen, Sträuße und Kränze. An Stricken wurden Zigarrenkistchen und Weinflaschen heruntergelassen. Auf der Kinderwiese gab es dann Bier, Würstchen und Brot. Der Jubel über diese eigenartige Parade war nicht zu übersehen, abends zehn Uhr wurde nochmals mit brennenden Grubenlämpchen leicht schwankend zu einer zweiten Parade angetreten.
Am nächsten Tag gab es dann die Quittung seitens der Grubenleitung, es wurden jedem zwei Strafschichten diktiert.
Neu war für mich auch, dass die Bergleute in Arbeitskleidung teilgenommen haben.
In einer durch die Bergbehörde organisierten Parade wäre das nicht denkbar gewesen. Der Bergmann hat sich nur in seiner stattlichen Paradetracht zu zeigen, Alten Gebrechlichen und schlecht gekleideten war die Teilnahme an solch Aufzügen nicht gestattet. Dass es anders gehen kann zeigte uns hier Fröbe.
Aufzeichnungen wie diese, die man kaum in den Akten der Archive finden kann, geben besser Auskunft über das Leben unserer bergmännischen Vorfahren als viele offizielle Protokolle.
Fröbe hat damit seinen Nachfahren ein Zeitzeugnis überlassen, das sehr gut Einsicht in das oft einfache Leben der Bergleute von der Kindheit bis ins hohe Alter aus der Sicht Dieser selbst gibt.
Am Schluss noch ein Gedicht aus dem Buch, das auch das Lebensmotto des Chronisten Fröbe ausdrückt und seine Beziehung zu unter Tage Arbeitern untermauert:
                     Ich lobe mir das Bergmannsleben,
                     Ein jeder lobt sich seinen Stand,
                     zwar ist es mit Gefahr umgeben,
                     wie weit und breit bekannt!
                     Doch sag und behaupte frei,
                     dass es das ehrenvollste sei.
                                   Glück Auf!

 

       Der Kuratoriumsvorsitzende der
       Saxonia-Freiberg-Stiftung,
       Bernd Erwin Schramm, überreicht
       den Ehrenpreis an den Autor Bert Fröbe