BERT FRÖBE: 

 

Aus meinem noch unveröffentlichten Buch
"IM LABYRITH MEINER SEELE"

 

Wieder ist Wochenende, die schönste Zeit der Woche! Pünktlich 6 Uhr stehen vor der Tür, hinter der ich meine Träume durchlebte, meine 3 Hunde, und warten auf mich, um das morgendliche Ritual der Begrüßung
immer wieder aufs Neue zu erleben. Welche Freude, welche Herzlichkeit verbirgt sich in diesen Tieren!

Und dann das gemeinsame Frühstück, jeder kennt seinen Platz, immer in Erwartung, die Liebe seines großen Freundes in Form einer kleinen Aufmerksamkeit zu erhalten.

Meine Hand sucht deren Berührung, und während drei kalte Hundenasen mir zu huldigen beginnen, denke ich, wie glücklich diese Tiere doch sein müssen, da sie nicht die Fähigkeit der Menschen besitzen, in die
Zukunft zu denken. Keine Ängste trüben ihren Blick, denn Gott hat ihnen die Fähigkeit gegeben, scheinbar immer in der Gegenwart zu leben.
Wie beneidenswert!

Ich blicke aus dem Fenster und bemerke, dass sie nun gekommen sind, diese Tage, in denen der Nebel vor der Sonne liegt. Die Natur bäumt sich noch einmal auf, verwandelt die Farben der Blätter vom flammenden Rot bis zum schwarzen Braun, ehe dann der ganze Jammer vor uns steht: kahl, entlaubt, leergefegt vom Wind. An den Bäumen spiegelt sich unser eigenes Leben, wir ahnen es, wir wollen es nur nicht wahrhaben. Irgendwann in den letzten Tagen, als wir noch nicht mit der Jacke vor das Haus
traten, spürten wir: Jetzt ist er da!
Denn der Herbst fragt nicht, ob er eintreten darf:
Er kommt!

Ich setze mich an den Schreibtisch, um eine neue Seite meines Tagebuches zu schreiben, doch die rechten Gedanken wollen sich noch nicht einstellen.

Da erblicke ich vor mir eine Fliege, die müde und schleppenden Schrittes auf meiner Hand Ruhe finden will, ich lasse sie gewähren.

Die Flügel eng an sich gepresst, verharrt sie regungslos, die Augen weit geöffnet. Sanft legt sie sich in meine Hand und ihr Blick scheint in das Unendliche, in die Unendlichkeit, gerichtet zu sein.
"Ob Fliegen auch beten können" denke ich, und eine schwer zu ertragende Stille breitet sich aus.

Ich lege das Requiem von Mozart auf und schon die ersten Töne dieser wunderbaren Musik scheinen die Würde dieses Augenblicks zu unterstreichen. Langsam legt sich das sterbende Tier auf die Seite und die kleinen Füßchen verlässt das ängstliche Zucken. Die Gliedmaßen bewegen sich gleichförmig und noch immer schauen die Augen zum Himmel, als würden sie Gnade erflehen. Mit Tränen kämpfend, wage ich nicht, die Lage meiner Hand zu verändern.

Und dann wird sie plötzlich ganz still und friedlich. Ich halte den Atem an, empfinde den Augenblick des Todes. Auch Mozart schweigt, der behütete Tod dieses kleinen Geschöpfes hat ein Requiem lang gedauert.
Und dann der Augenblick, wo man meint, die Seele des Tieres in Frieden entweichen zu sehen. Mit Tränen in den Augen bin ich dennoch glücklich, diesem Augenblick des Sterbens die Würde gegeben zu haben.

Ich blicke zum Fenster, der Nebel ist noch immer nicht aufgestiegen!
Irgendwo im Norden des Landes kämpft eine unschuldige Katze um ihr Leben, weil Tierhasser sie mit Gift lockten, an dem sie nun in höchst grausamer und unwürdiger Art sterben möge.
Gut, dass es noch gütige Menschen gibt, deren Tränen das Tier nicht als einen Gegenstand, sondern als einen geliebten Gefährten beweinen werden.

Um uns herum ist viel Lautes - und viel Einsamkeit.

Wer neben sich einen Schritt im Gleichklang spürt, darf dankbar sein!

Bert Fröbe



Szene aus: Ein Einsiedler im Paradies

Der Autor und Regisseur Bert Fröbe
im Gespräch mit Johannes,
dem Einsiedler im Paradies